RE: „Gelungener Abend“ im Kreis von Neonazis

Recklinghausen/Köln – Die Neonazi-Kontakte des Recklinghäuser „pro NRW“-Kreisvorsitzenden Werner Peters beschränkten sich offenbar nicht nur auf die regionale Szene.* Er soll auch an mindestens einem Treffen der Kölner Neonazis rund um Axel Reitz teilgenommen und sich anderntags voll des Lobes gezeigt haben.

6. November 2009, irgendwo in der Nähe von Köln: Die „Freien Kräfte Köln“ haben zur „Kampfversammlung“ eingeladen. Mit dabei ist nach Informationen von „NRW rechtsaußen“ auch Peters, der zu diesem Zeitpunkt seit zwei Monaten Mitglied bei „pro NRW“ ist. Das HJ-Lied „Ein junges Volk steht auf“ wird geschmettert. Reitz fordert „alle Anwesenden dazu auf, über die Unterschiede und Differenzen hinweg zu schreiten, damit über die dadurch dann verwirklichte Kampfgemeinschaft einmal als Endziel unseres Strebens die sozialistische Volksgemeinschaft entstehen kann“, wie es in einem Veranstaltungsbericht der Kölner Neonazis heißt. Sascha Krolzig von der „Kameradschaft Hamm“ rechnet „gnadenlos“ mit dem „schwachen und kranken System“ ab.

Beifall gibt’s auch für Edouard Hermy von der belgischen „Nieuw-Solidaristisch Alternatief“ (N-SA), der „das Bild eines nationalen und sozialistischen Europas als der einzigen Alternative zum drohenden Untergang der europäischen Völker und Nationen“ zeichnet. Der Düsseldorfer Neonazi Sven Skoda warnt davor, „mit diesem System und seinen Bütteln zu paktieren“. Ralph Tegethoff aus Bad Honnef donnert in den Saal, der Tag werde kommen, „an dem das nationale Deutschland Kommunismus, Marxismus und jede andere Form von organisiertem Vaterlandsverrat mit Stumpf und Stiel beseitigen“ werde. Von der NPD treten die Kreisvorsitzenden aus Düren und Unna, Ingo Haller und Hans Jochen Voß, auf. Dazu darf ein ehemaliger SS-Standartenjunker in Erinnerungen schwelgen.

Mail an „Kamerad Axel“

Ist das „pro NRW“-Mitglied entsetzt ob des braunen Treibens, in das er – womöglich gar ahnungslos – geraten ist? Eine E-Mail, die er am folgenden Tag an Reitz gerichtet haben soll, liest sich ein wenig anders. „Grüß dich Kamerad Axel“, schreibt Peters demnach und beglückwünscht Reitz zu dem „gelungenen Abend“: „Ich habe meine Teilnahme nicht bereut. Weiter so!“

Überschwänglich äußerten sich auch die Veranstalter der „Kampfversammlung“ über das Treffen: „Herzlich und kameradschaftlich“ seien dabei „die künstlichen Grenzen zu Bruch“ gegangen „und alle Fraktionen des nationalen Lagers rückten zusammen zu einer großen Familie“.

Beisicht schweigt

Per Mail gestellte Fragen zu jenem braunen „Familientreffen“ ließ Peters unbeantwortet, und auch am Telefon mochte er nichts dazu sagen. Sein Parteivorsitzender Markus Beisicht – sonst schnell bei der Hand, wenn es um verbale Absagen an den „NS-Narrensaum“ geht – hat bislang auf eine Mail zum Thema ebenfalls nicht reagiert.

Peters’ Karriere bei „pro NRW“ wurde im Übrigen durch die Teilnahme an dem Neonazitreffen im Rheinland keineswegs gebremst. Nur eine Woche später wurde er zum „pro NRW“-Kreisbeauftragten für Recklinghausen bestimmt. (rr/ts)

* /nrwrex/2011/06/re-der-pro-nrw-kreisvorsitzende-und-der-ns-narrensaum

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/nrwrex/2011/06/re-neonazis-als-wahlkampfhelfer-f-r-pro-nrw