RE: „Pro NRW“-Kreisverband bevorzugt Klartext

Recklinghausen – „Pro NRW redet Klartext!“, verspricht der Recklinghäuser Kreisverband der selbst ernannten „Bürgerbewegung“. Im aktuellen Fall bedeutet dies: Werner Peters’ Kreisverband übt sich in Nazi-Jargon.

Lediglich „Privatkontakte“ seien es gewesen, die er zu Neonazis aus der Region unterhielt, hatte der Kreisvorsitzende in Recklinghausen, Werner Peters, vor Kurzem wissen lassen. Inzwischen will er von den „Kameraden“ nichts mehr wissen.* Am Freitag setzte sich der Kreisverband in einem Artikel auf seiner Internetseite verbal erneut von „Neo-National-Sozialisten“, „braunen Hitlerverehrern“ und „Nazis in Nadelstreifen“ ab, um sich selbst als „demokratische Kraft“ darzustellen.

„Schwarz-rot-goldene Demokraten“

„Wir sind schwarz-rot-goldene Demokraten!“, beteuert „pro NRW Recklinghausen“ gar – und fällt dann doch teilweise in eine Tonlage zurück, die auch den vor Monatsfrist in Ungnade gefallenen „Privat-Kameraden“ Peters’ durchaus gefallen könnte. Der Islam habe nie „das immer-währende Ziel“ aus den Augen verloren: „die Eroberung und Kolonialisierung der Welt“, verrät Peters’ „Bürgerbewegung“. Und weiter heißt es:

„Es gibt zwei Hauptströmungen des Islam, die sich dieser Zielsetzung verschrieben haben:

Eine Richtung versucht es mit Gewalt, Einschüchterung und offener Missionierung (s. z.B. Salafisten),

die andere Richtung setzt auf Unterwanderung des Wirtsvolkes durch Geburtenjihad, mag es auch ein oder zwei Jahrhunderte dauern.“

Peters’ „Wirtsvolk“

Die Deutschen als „Wirtsvolk“ – neu ist die Verwendung des aus der Biologie entlehnten Begriffs in der politischen Sphäre nicht. Antisemitische Hetzer verwendeten ihn ab Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder: Auf der einen Seite stand das „Wirtsvolk“, auf der anderen Seite standen „Parasiten“ und „Schmarotzer“. In Hitlers „Mein Kampf“ beispielsweise finden sich diese Sätze über „den Juden“: „Er ist und bleibt der ewige Parasit, der Schmarotzer, der wie ein schädlicher Bazillus sich immer mehr ausbreitet, sowie nur ein günstiger Nährboden dazu einlädt. Die Wirkung seines Daseins aber gleicht ebenfalls der von Schmarotzern: wo er auftritt, stirbt das Wirtsvolk nach kürzerer oder längerer Zeit ab.“

Werner Peters hat – jedenfalls soweit man weiß – nichts gegen Juden. Er hat ein anderes Feindbild: Das „Wirtsvolk“ wird vom Islam bedroht. Diesen explizit als „Parasiten“ oder „Schmarotzer“ zu benennen, darauf verzichtet er. Soviel „Offenheit“ ist auch gar nicht nötig, folgt man einer Analyse, die Juliane Wetzel und Christina Herkommer vom Zentrum für Antisemitismusforschung vor knapp zehn Jahren erarbeitet haben.** Sie notierten: „Das Begriffspaar ,Wirtsvolk - Parasit/Schmarotzer’ hat einen festen Platz im kulturellen Gedächtnis, sodass es für seine Aktualisierung ausreichend ist, ein Glied dieser Kontrastierung zu benennen, um das andere beim Rezipienten zu evozieren.“

Distanzierung Fehlanzeige

Die „pro NRW“-Oberen haben sich von Peters und seinem „Klartext“ bislang nie öffentlich distanziert – egal ob es um dessen „Privatkontakte“ zu Neonazis ging oder um Veröffentlichungen auf der Internetseite, die eine Nähe zum von „pro NRW“ verbal abgelehnten „NS-Narrensaum“ zumindest vermuten ließen.*** Statt dessen wurden Artikel bzw. einzelne Passagen auf der Homepage seines Kreisverbandes in mindestens zwei Fällen stillschweigend „korrigiert“, um Parallelen zum neonazistischen Teil der extremen Rechten nicht zu offenkundig werden zu lassen und die allergrößten Peinlichkeiten auszuräumen.

Eine Distanzierung ist auch diesmal nicht zu erwarten: So jemanden wie Peters benötigt „pro NRW“ in der Region. Ohne ihn würde angesichts der personellen Schwäche der angeblichen „Bürgerbewegung“ die Parteiarbeit in Recklinghausen und Umgebung zusammenbrechen. (rr/ts)

* siehe unter anderem:

/nrwrex/2011/06/re-neonazis-als-wahlkampfhelfer-f-r-pro-nrw

/nrwrex/2011/06/re-der-pro-nrw-kreisvorsitzende-und-der-ns-narrensaum

/nrwrex/2011/06/re-gelungener-abend-im-kreis-von-neonazis

** Die Analyse von Juliane Wetzel und Christina Herkommer
beschäftigte sich mit dem Antisemitismus der NPD. Ab Seite 16 geht es um die
Verwendung des Begriffs „Wirtsvolk“. Nachzulesen ist die Untersuchung hier:

www.gruene-bundestag.de/cms/archiv/dokbin/276/276679@de.pdf

*** siehe unter anderem:

/nrwrex/2010/10/mgre-freie-kr-fte-gestrichen

/nrwrex/2010/10/re-pro-nrw-kreisverband-wieder-auf-partei-linie

/nrwrex/2010/10/re-pro-nrw-kritik-kleindeutscher-l-sung-wieder-verschwunden