NRW: Bürgerbewegte Verbal-Vandalen

LEVERKUSEN – Wer wissen will, wie ein (ge)wichtiger Teil der „pro NRW“-Beleg- und -Anhängerschaft tickt, dem kann ein Blick auf den Internetblog „freiheitlich.org“* weiterhelfen. Dort werden nicht nur die eigenen Erfolge abgefeiert. Dort wird umgekehrt auch jeder abgemeiert, der nicht so will, die die „pro“-Oberen es gerne hätten. Aktuell trifft dies den SVP-Politiker Oskar Freysinger.

[caption id="attachment_5322" align="alignright" width="300" caption="Rechts? Links? Andreas Molau bevorzugt den stramm rechten Weg. Der Ex-NPDler gilt als Motor und Kopf des „pro“-Werbeblogs „freiheitlich.org“."][/caption]

Auf den Rechtspopulisten aus der Schweiz hatte „pro NRW“ einst große Stücke gehalten. Der SVP-Nationalratsabgeordnete hatte sogar im Februar 2010 ein Grußwort für jene „Anti-Minarett-Konferenz“ beigesteuert, die „pro NRW“ im folgenden Monat in Gelsenkirchen abhielt. Freysinger, so „pro NRW“ damals voller Stolz, sei „einer der Hauptinitiatoren der erfolgreichen Schweizer Volksabstimmung für ein Minarettverbot und in seiner Heimat als wortgewandter und freisinniger Rechtsintellektueller bekannt“. Mit so einem schmückte man sich gerne in rheinischen Rechtspopulistenkreisen.

Erkaltete Zuneigung

Doch die gegenseitige Zuneigung ist erkaltet. Mitte Juni gab Freysinger dem Boulevard-Blatt Blick, der zweitgrößten Tageszeitung in seiner Heimat, ein Interview, in dem er seine europapolitischen Präferenzen kundtat. „Pro NRW“ fand dort mit keinem Wort Erwähnung. Freysinger verriet aber, dass er eine Zusammenarbeit mit Parteien wie der FPÖ und dem „Vlaams Belang“, den Partnern der rheinischen Rechtspopulisten, ablehne. Stattdessen setzt er auf eine Kooperation mit Leuten wie Geert Wilders in den Niederlanden oder Rene Stadtkewitz von der Partei „Die Freiheit“ in der Bundesrepublik.

„Provinzpolitiker“

Das lässt den „pro“-Werbeblog „freiheitlich.org“, wenn auch mit gehöriger Verspätung, nicht kalt. „Leider reitet nun Freysinger der Spaltpilz“, schreibt Autor „Kurt Schuwirth“ noch vergleichsweise sachlich. Der ganze Zorn auf den SVP-Politiker bricht sich in den dann folgenden Kommentaren Bahn. Der einst umworbene Schweizer wird nun zum „komischen Vogel“, bei dem man nicht weiß, ob ihn „Dummheit“ oder „politische Irrwege“ leiten. Freysinger, den man vor Jahresfrist noch so gerne zitierte, ist nunmehr nur noch ein „Provinzpolitiker aus dem Wallis“, ein „Spalter“ mit „beschämenden Ausfällen“, ein „merkwürdiger Kauz“, ein „Spät-Hippie“, ein „größenwahnsinniger Außenpolitiker ohne Mandat“. Und sowieso: Wer mit „pro“ oder dessen Partnerparteien nichts zu tun haben will, muss gekauft worden sein. „Dieser Freysinger hat bestimmt eine schöne Stange Geld von wem auch immer erhalten, um mal schön ein wenig gegen immer ERFOLGREICHER werdenden Rechtsdemokraten anzugehen!“, meint einer der Kommentatoren.

„Pflegefälle“

Freysinger kommt dabei in den Kommentarspalten von „freiheitlich.org“ sogar noch gut weg – verglichen mit anderen Abweichlern oder Abtrünnigen: Rene Stadtkewitz Name wird von jenen Verbal-Vandalen, die dort regelmäßig unterwegs sind, häufig als „Stasiwitz“ verhunzt. Ehemaligen Parteifreunden werden Alkohol- oder Eheprobleme nachgesagt. Und Mitglieder und Förderer der selbst ernannten „Bürgerbewegung“, von deren Einsatz und Geld man jahrelang profitiert hatte, mutierten nach deren Parteiaustritt nicht nur in den Kommentarspalten, sondern sogar in einem redaktionellen Beitrag zu „Pflegefällen und Beitragszahlern“. Wer wissen will, wie groß das Hasspotenzial ist, das in rechtspopulistischen Kreisen auch dann aufbricht, wenn es um den wahren rechten Kurs geht, erhält bei „freiheitlich.org“ zuweilen interessante Einblicke. (rr/ts)

* /nrwrex/2011/03/nrw-molau-hauck-der-pro-nrw-fan-blog-und-die-rechtsdemokratische-resozialisierung-ein