B: „Pro Deutschland“ wirbt mit längst ausgetretenen Ex-„pro NRW“-Funktionären

BERLIN – Die Not muss groß gewesen sein, als die „pro Deutschland“-Funktionäre an die Aufgabe gingen, einen Werbespot für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhauswahl zu produzieren. Das Ergebnis ist jedenfalls äußerst bescheiden.

Eingeleitet wird der 60-Sekunden-Spot durch ein immerhin 30 Sekunden dauerndes Intro, das bereits aus früheren Videos der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ bekannt ist und keinen Bezug zur Berliner Lokal- oder Landespolitik aufweist. Es folgen sechs Sekunden von einer „pro Köln“-Demonstration, sieben Sekunden, die Publikum und Podium bei einer „pro D“-Versammlung zeigen, zehn Sekunden rechtspopulistische Sprüche in Kurzfassung und schließlich der Appell, „pro Deutschland“ zu wählen. Mehr als die Hälfte des Spots wurde aus früheren Videos recycelt. Ein O-Ton des Spitzenkandidaten Manfred Rouhs oder des Landesvorsitzenden Lars Seidensticker? Fehlanzeige.

„Sieht nach einem Rentner Verein aus“

Sogar in den Kommentarspalten von Andreas Molaus „pro NRW“-Werbeblog „freiheitlich.org“ kommt der Spot nicht gut weg. „Sieht nach einem Rentner Verein aus“, schreibt ein Kommentator. Einer, der bisher durch sehr „pro NRW“-nahe Äußerungen auffiel, befindet nüchtern: „Gute Hausmannskost, aber ohne jeden Esprit.“ Ein anderer, ebenso „pro“-nah, ist ebenfalls enttäuscht: „Ein bisschen besser als ein Amateur-Youtubefilmchen hätte es schon werden dürfen…“

Den Ton, der herrschen wird, sollte der „pro D“-Wahlantritt in der Hauptstadt scheitern, gibt ein Kommentator vor, den man in Funktionärskreisen der rheinischen „Bürgerbewegung“ vermuten darf: „Es läuft halt nicht alles rund in Berlin. Die Internetpräsenz von PRO ist auch nicht berauschend. Der ANTIislamisierungskongress vom Wochenende wird bislang suboptimal vermarktet. Die Mobilisierung außerhalb NRWs ist auch nicht berauschend. Mit Flugblättern und Flyern allein wird man es nicht herausreißen können.“

Hasserfüllte Kommentare

[caption id="attachment_5827" align="alignright" width="300" caption="Wahlwerbung mit längst ausgetretenen Ex-Mitgliedern von "pro NRW": Screenshot des "pro D"-Spots."][/caption]

Nicht thematisiert wird in dieser Diskussion, dass der Werbespot zwei bei „pro NRW“ längst ausgetretene Ex-Funktionäre der „Bürgerbewegung“ zeigt. Der kurze Ausschnitt jener „pro Köln“-Demo, der mehr als zwei Jahre alt sein muss, zeigt neben „pro Köln“-Stadtrat Jörg Uckermann und Manfred Rouhs links im Bild Ex-„pro NRW“-Vorstandsmitglied Uwe Berger, rechts im Bild den ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden Ronald Micklich. Insbesondere Micklich ist nach seinem Parteiaustritt zur Zielscheibe hasserfüllter Angriffe – unter anderem bei „freiheitlich.org“ – geworden, vor allem weil er sich auf seiner Internetseite „Bergische Stimme“ regelmäßig mit Interna der extrem rechten Partei beschäftigt.

Berger wie Micklich würden sich mit Händen und Füßen sträuben, würde man sie fragen, ob sie in einem Werbespot für „pro“ auftreten wollen. Aber wer fragt da schon. (ts)