Nebenbei: Kameradschaft ist mehr als nur ein Porno

KÖLN – Sex sells! Diese Logik aus Medien und Werbung macht sich derzeit das „Freie Netz Köln“ rund um die anderweitig vorbestraften Neonazis Paul Breuer und Axel Reitz zunutze.

Sie kündigen einen Aufkleber an, den man zwecks Anwerbung von Nachwuchs nutzen kann. Aufschrift: „Ist es nicht schön, weiß zu sein? Deutscher! Sei stolz auf deine Rasse!“ Die Aussage wird mit einem Foto geschmückt, auf dem fünf nackte Frauen zu sehen sind, die den Betrachter lasziv anschauen. In einem Neonazi-Forum sorgt das Motiv für Diskussionen. Übel aufstoßen könnte den „Kameraden“ dabei auch, dass die fünf Pornoaktricen allesamt aus Osteuropa stammen, das Foto zum Film einer spanischen Edelpornoschmiede gehört und es ansonsten nicht um die Fortpflanzung der „Rasse“ sondern um Lesbierinnen-Sex geht.

„Mehr Wert als 99% aller NPD Flyer“

Natürlich haben die „Kameraden“ in einem Szeneforum dennoch längst gewittert, worum es geht. Ein User bewertet die „peinliche Propaganda“ insofern, als dass die Kölner „Kameraden“ damit „den Vogel total ab[schießen]“. Ein anderer Foren-Nutzer findet, man könne „ja auf die Schönheit der weißen Rasse hinweisen und ihre Arterhaltung rechtfertigen, nur wenn man das macht, dann sollte man es richtig machen und nicht so dumm und inhaltslos wie hier“. Ein anderer „Kamerad“ findet, die abgebildeten „Mädels“ seien „einfach nur billige Sexobjekte“, und deswegen lasse derlei Propaganda jeden „RESPEKT vor der deutschen Frau“ vermissen, „wenn sie sich mit sowas vergleichen lassen“ müsse.

Immerhin findet dennoch ein Neonazi, dieser „Flyer ist mehr Wert als 99% aller NPD Flyer“, denn „Titten“ hätten schließlich „ihre Wirkung“. Ein anderer Forennutzer schreibt jedoch: „Absolut strunzhohl, in besseren Zeiten war keine deutsche Frau [im Schambereich] rasiert, das ist nur eine Kanacken- und Ami-Porno-Mode.“ Und eine neonazistische Frauenrechtlerin attestiert, der „Nationale Widerstand sollte sich gegen diese Sexualisierung des Volkskörpers, die uns auf unsere niederen Triebe reduziert, stellen und diese nicht auch noch mit minderwertigen Darstellungen von meist fremdländischen ‚Damen’, die für jüdische Produzenten posieren fördern“.

Sexy aufgehübscht

Paul Breuer gab wiederholt seine Adresse als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts her, wenn Neonazigruppen oder das „Freie Netz Köln“ respektive deren Vorläufer, die „Freien Kräfte Köln“, Propaganda produzierten. Gelegentlich hatte der Kölner deswegen schon Ärger im Rahmen des Urheberrechts. Im Jahre 2009 drohten etwa Anwaltskanzleien der Siegerin von „Germany’s next Topmodel“, Lena Gercke, und des Top-Models Claudia Schiffer rechtliche Schritte gegen Breuer an, weil „Kameradschaften“ unerlaubt Fotos der beiden Models genutzt hatte. Auch damals hatte die „Nationalen Sozialisten“ sich irgendwie sexy aufhübschen wollen – und zudem Breuers Namen und Adresse in Sachen Verantwortlicher im Sinne des Presserechts angegeben.

2009 hatten auch die „Freien Kräfte Köln“ und Breuer Aufkleber produziert mit der Losung: „Ist es nicht schön, weiß zu sein? Deutscher! Sei stolz auf deine Rasse!“ Auch hier wurde die Parole geschmückt von einem barbusigen Erotikmodel, das auf einem Bett kauerte. Das Motiv verströmte den Charme der Werbung eines Telefonsexanbieters – oder den einer Art Ouvertüre zum Oralverkehr zwischen dem Sexsternchen und der schlüpfrigen Phantasievorstellung des offenkundig männlichen Betrachters. Und auch bei dem aktuellen Motiv legten offenbar weder das „Freie Netz Köln“, noch Breuer Wert auf die Achtung des Urheberrechtes – ebenso, wie beiden offenkundig die Herkunft der abgebildeten, angeblich reinrassig deutschen Frauen und deren Gewerbe egal gewesen sein dürfte.

„Abwärtsspirale der Perversitäten“

Das neue Motiv, das in dem Neonazi-Forum zu hitzigen Diskussionen führte, stammt nämlich aus der Reihe „Private Blockbusters“ des Porno-Labels „Privat“. Besagtes Label ist ansässig in Spanien und Teil einer großen Unternehmensgruppe aus der internationalen Porno- und Sexbranche. Der Film, zu dem das Motiv gehört, wurde 2008 gedreht und benannt nach einem Album der Metalband „Nine Inch Nails“. Zu Beginn des Edelpornos wird dabei eine Stewardess von einem Taxifahrer ausgeraubt und an einer verfallenen Fabrikhalle abgesetzt, vor der in Latex- und Reizwäsche gehüllte Frauen als Huren herumlungern. Die Flugbegleiterin gerät fortan auf dem Gelände der Industriebrache in gewissen Lasterhöhlen, in denen verschiedene, auch als pervers beworbene Sexabenteuer praktiziert werden.

Anfangs eher abgestoßen von ihren Erlebnissen und Beobachtungen, findet die Stewardess später laut Werbung Gefallen an den schmutzigen Spielchen und stürzt sich in eine Abwärtsspirale der Perversitäten („the downward spiral of perversity“). Das Foto, dass das „Freie Netz“ dazu nutzt, um dem Deutschen den Stolz auf seine „Rasse“ vorzugaukeln, stellt jedoch keine Filmszene dar, sondern ist ein am Set aufgenommenes Werbefoto für eines der Filmkapitel mit den schon nackten Darstellerinnen. In besagtem Filmabschnitt trifft die Flugbegleiterin in einem großen Duschraum auf das sich duschende Quartett. Diese fünf jungen Lesbierinnen verführen die Hauptdarstellerin dann unter der Dusche, was zu einer feuchten Sexorgie unter den sechs Darstellerinnen führt. Die Frauen auf dem Foto fungieren für den Film unter stramm-deutschen Künstlernamen wie „Zafira“, „Eve Angel“, „Clara G“, „Sophie Moone“ und „Bridgett“.

„Stars“ aus Ungarn

Die dunkelhaarige „Zafira“ (Jahrgang 1984) stammt aus Budapest und hat international schon in unzähligen Pornofilmen mitgewirkt, insbesondere in solchen mit lesbischen Szenen. „Eve Angel“ (Jahrgang 1983) stammt ebenso aus Ungarn, hat dunkle Haare und ebenso in unzähligen Pornofilmen mitgespielt. Auch „Eve Angel“ hat einen Arbeitsschwerpunkt: lesbische Szenen. „Clara G“ (Jahrgang 1979) lebt in Rumänien und hat ungarische Wurzeln; die Blondine produziert unterdessen mithilfe eines eigenen Unternehmens selbst Pornofilme. Neben lesbischen Szenen favorisiert sie beruflich auch solche, die sich mit „Fisting“ und dem Vergießen von Urin beim Gruppensex beschäftigen. Was das alles mit dem „Nationalen Sozialismus“, stolzen Deutschen und der weißen Rasse zu tun hat, dürften die Kölner Neonazis nicht beantworten wollen oder können.

„Sophie Moone“ (Jahrgang 1981) stammt ebenso wie „Zafira“ und „Eve Angel“ aus Budapest, auch sie verdingt sich überwiegend in Pornofilmen mit lesbischen Szenen. Die eher jugendlich wirkende Blondine fungiert unterdessen auch unter Künstlernamen wie „Sophie Sweet“ beziehungsweise „Sweet Sophie“ – Wortspiele einer Branche, mit denen man Männern, die auf sehr junge, fast kindliche Darstellerinnen stehen, vorgaukelt, dass die Aktricen noch „süß“, „niedlich“ oder „frisch“ sind, sie also noch nicht oder gerade erst volljährig geworden sind. Hinter dem Namen „Bridgett“ wiederum steckt Anette Dawn (Jahrgang 1978), auch diese Blondine stammt aus Ungarn und ist hauptsächlich für Produktionen mit lesbischen Szenen tätig.

„Weihnachtsfeier im Puff“

„Ist es nicht schön, weiß zu sein? Deutscher! Sei stolz auf deine Rasse!“, appelliert das „Freie Netz Köln“ mit solchen Frauen im Rücken offensichtlich gerade an junge Männer, die sich doch bitte als „Nationale Sozialisten“ dem „Nationalen Widerstand“ anschließen sollen. Doch weder sind die zu sehenden „Mädels“ (s.o.) Deutsche, noch tragen deren vermeintliche sexuellen Präferenzen zum „Erhalt der Rasse“ bei. Indes deckt sich das Motiv damit, was ein Kommentarschreiber in einem Neonazi-Portal schon zur Jahresmitte anmerkte, nämlich dass Vertreter des „Freien Netzes Köln“ „Weihnachtsfeiern [...] im größten Puff von Köln steigen“ ließen. Ein anderer User warf daraufhin in der Diskussion ein, der „Tanzschuppen is kein Puff.“

Axel Reitz, Spezi von Breuer und einer der führenden Köpfe der Kölner Neonazis, erwiderte in den Kommentarspalten seinerzeit wiederum: „Eine unpolitische Feier zum Jahresabschluß ist genauso wenig eine Weihnachtsfeier wie ein Nachtclub ein ‚Puff’ ist.“ Offenbar ein im Web kursierendes Foto einer solchen Feier zeigt Reitz und einen „Kameraden“, wie sie grinsend ihre Backen (Gesicht) auf die Backen (Po) einer Blondine im Leoparden-Bikini pressen, offenkundig eine Stripperin. Über die Herkunft jenes Rasseweibs machten sich beide offenkundig in diesem Moment ebenso wenig Gedanken wie die „Kameraden“ später beim Entwurf eines Aufklebers. (mik)

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