NRW: Schreibverbot für Reitz beim NPD-Parteiblatt „Deutsche Stimme“?

PULHEIM – Das NPD-Parteiorgan „Deutsche Stimme“ (DS) soll bereits vor einiger Zeit gegen zwei frühere Autoren des Monatsblattes ein „Schreibverbot“ verhängt haben. Betroffen sind der ehemalige NPD-Parteiideologe Jürgen Schwab und der Pulheimer Neonazi Axel Reitz.

Dies behauptet jedenfalls Schwab in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit einer extrem rechten Internetplattform. Schwab, der sich als „Nationalrevolutionär“ versteht und zu den Initiatoren der extrem rechten Schulungseinrichtung „Deutsche Akademie“ sowie der Gruppe „Sache des Volkes“ zählt, stellt die doppelte Suspendierung als eine Art Kompromiss in der NPD-Führungsspitze da. „Indem Axel Reitz Schreibverbot erhielt, sollten die Kritiker der ,NS’-Folklorefraktion – zu der zu meiner Überraschung auch der Landesvorsitzende von NRW, Claus Cremer, gehören soll, der im Landesvorstand durchgesetzt hat, dass Reitz nicht in die NPD aufgenommen wird – beschwichtigt werden“, erklärt er. Umgekehrt hätten auch jene „,NS’-Folkloristen“ Genugtuung erfahren sollen, „indem auch ihr Feindbild, der ,Bolschewist’ Schwab ausgegrenzt wird“.

"Bolschewistisch"

In seinem, Schwabs, Fall, habe sich der Streit an einer Polemik von DS-Stammautor Ralph Tegethoff entzündet. Wie berichtet*, hatte sich Tegethoff, der mit einem besonderen Faible für alles Militärisch-Technische und Militärisch-Zackige geschlagen ist, vor etwas mehr als einem Jahr darüber entrüstet, dass die DS in ihrer Ausgabe vom August 2010 Schwab in einem Interview Negatives über die nach dem 1. Weltkrieg entstandenen Freikorps sagen ließ. Die hätten, so Schwab, „die bürgerliche, das heißt kapitalistische ,Demokratie’ gegen eine soziale Revolution“ verteidigt. Tegethoff konterte: Schwabs Thesen seien „bestenfalls abenteuerlich wenn nicht antideutsch, ja sogar bolschewistisch“.

Verbündete?

Dass Reitz trotz des Schreibverbots später doch noch für die DS zur Feder greifen durfte**, sei als „redaktionelles ,Versehen’“ dargestellt worden, „da man sich im Vorstand noch nicht zu einer einheitlichen Linie durchgerungen habe“, so Schwab. Er mag an diese Version freilich nicht so recht glauben: „Irgendwie kann man das alles nicht richtig ernst nehmen. Es hat jedenfalls den Anschein, als will Voigt (der NPD-Vorsitzende, d. Red.) mit Reitz zusammenarbeiten, aber nicht mit mir.“ (ts)

* /nrwrex/2010/09/k-panzer-bastler-tegethoff-gegen-bolschewist-schwab-neonazi-diskurse-ii

** /nrwrex/2011/06/nrw-reitz-darf-npd-zeitung-schreiben

und

/nrwrex/2011/06/nrw-gegnern-ein-forum-geboten-erg-nzt