AC: V-Leute in Aachener Neonazi-Szene?

AACHEN/BERLIN – Offenbar führen die Verfassungsschutzämter einen oder mehrere V-Leute in der Neonazi-Szene im Großraum Aachen. Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet, dass zwei Neonazis aus Aachen, die Sprengkörper mit Glassplitter gebaut hatten und diese in Berlin zünden wollten, durch „rechtsextreme V-Leute“ enttarnt worden seien. Die Ermittler hätten durch diese Tipps weitere Straftaten verhindern können, beruft sich das Blatt auf nicht näher benannte Behördenquellen.

Das Landgericht Aachen hatte im Februar die beiden Aachener wegen der Vorbereitung von Explosionsverbrechen, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung verurteilt. Das Gericht sah es dabei als erwiesen an, dass Falko W. und Daniel T. Sprengkörper aus pyrotechnischen Gegenständen und Glasscherben gebaut hatten, die am 1. Mai 2010 in Berlin bei einem Neonazi-Aufmarsch möglicherweise gegen Polizisten und Gegendemonstranten eingesetzt werden sollten.

Bewährungsstrafen

Beide waren zudem für großflächige Schmieraktionen verantwortlich und hatten Mitte 2010 unter anderem die Mauer des jüdischen Friedhofes in Aachen mit der Parole „Juden den Gashahn aufdrehen“ beschmiert. W., lange Zeit Mitglied der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL), hatte überdies im Mai 2010 zwei Molotow-Cocktails auf das in einem Luftschutzbunker eingerichtete linksalternative „Autonome Zentrum“ (AZ) in Aachen geworfen.

Beide waren im Februar wegen der Taten zu jeweils zwei Jahren Haft verurteilt worden, unter Auflagen wurden die Strafen ausgesetzt zur Bewährung. In dem Prozess war auch bekannt geworden, dass beide Neonazis im Juli 2010 zudem eine Sprengstoffattrappe gebaut und vor das AZ abgelegt haben sollen. W. sitzt unterdessen wegen des Vorwurfs des versuchten schweren Raubes wieder in Untersuchungshaft.

Namen ausgeplaudert

Bisher hatten die Behörden mitgeteilt, W. sei durch DNA-Spuren an den im Umfeld von Vorkontrollen am 1. Mai 2010 in Berlin aufgefundenen Sprengsätzen enttarnt worden. T. sei, hieß es im Prozess, später dann durch DNA-Spuren und mittels Abhörmaßnahmen überführt worden. Laut „Tagesspiegel“ hätten jedoch V-Leute den „entscheidenden Hinweis bei den Ermittlungen“ gegeben und im Vorfeld der Festnahmen im September 2010 die Namen der beiden ausgeplaudert. Durch diese Hinweise sei zudem die Gefahr beseitigt worden, die Neonazis könnten erneut einen Anschlag versuchen, so das Blatt.

Beide Neonazis sollen auch nach Mai 2010 noch mit dem Bau von Sprengkörpern experimentiert haben. Sicherheitskreisen sagten dem „Tagesspiegel“ daher, ohne die Festnahmen im September 2010 „hätte sich möglicherweise eine weitere Terrorgruppe neben dem ,Nationalsozialistischen Untergrund’ der drei Jenaer Neonazis gebildet“. (mik)