BI: „Ideenwerkstatt“ bei Burschenschaft – Erste Referentin sagte ab

BIELEFELD – Die extrem rechte Bielefelder Burschenschaft „Normannia-Nibelungen“ organisiert am Wochenende ihre siebte „Ideenwerkstatt“ unter dem Titel „Völkerwanderungen im 21. Jahrhundert – Fluch oder Segen für Europa?“ Ein Teil der angekündigten Referenten verbreite rassistische Inhalte, meint ein Bielefelder „Bündnis gegen die Ideenwerkstatt“ (BGDI). Eine der vorgesehenen Referentinnen, Sylvia Flückiger-Bäni, bis vor drei Jahren Vizepräsidentin der Schweizerischen Volkspartei (SVP), sagte ihre Teilnahme inzwischen ab.

Die ausrichtende Burschenschaft und ein Teil der angekündigten Referenten bürge dafür, dass die als Frage formulierte Überschrift der „Ideenwerkstatt“ rein rhetorischen Charakter besitze, hieß es in einer Pressemitteilung des Bündnisses. Die „Normannen-Nibelungen“ gehören zur „Deutschen Burschenschaft“, jenem Verband, der in diesem Sommer, wie Spiegel-Online es formulierte, über die Einführung eines „Ariernachweises“ für Burschenschaftsmitglieder diskutierte.

Extrem rechte Mitglieder

Eine Vielzahl der „Normannia-Nibelungen“-Mitglieder seien „integraler Bestandteil der extremen Rechten oder des Neonazismus“, so das BGDI. Als Beispiele nennt das Bündnis Hendrik Stiewe und Jan Ackermeier. Stiewe sei Betreiber des Versandes bzw. Labels „Wewelsburg Records“, bei dem neonazistische CDs produziert und vertrieben würden. Ackermeier sei im Herbst 2010 von seinem Arbeitgeber, dem FPÖ-Nationalratsabgeordneten Harald Stefan, als parlamentarischer Mitarbeiter entlassen worden, weil er ein Seminar der extrem rechten „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) organisierte, die zusammen mit der NPD die alljährlichen Aufmärsche im Februar in Dresden durchführt. Regelmäßig veröffentliche Ackermeier Texte mit extrem rechten Inhalten in einschlägigen Zeitschriften in Österreich und der Bundesrepublik Deutschland.

Bei der Programmgestaltung der „Ideenwerkstatt“ hat die „Normannia-Nibelungen“ nach Einschätzung des Bündnisses auf eine Mischung von Referenten aus der extremen Rechten und aus dem konservativen Spektrum geachtet: „Die in der Normannia-Nibelungen aktiven Rechtsextremisten und Neonazis versuchen durch die Einbeziehung reputierlicher ReferentInnen ein positives Image und Zuhörer auch über den Rand des rechten politischen Spektrums hinaus zu gewinnen.“

Imagebildung

Der extremen Rechten ordnet das Bündnis Michael Paulwitz („Deutsche Opfer, fremde Täter. Ursachen und Folgen deutschen-feindlicher Ausländergewalt“) und Joachim Kappel („Positive Auswahl qualifizierter Zuwanderung unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit und der emotionalen Intelligenz“) zu. Aus dem rechtspopulistischen Spektrum war neben Flückiger-Bäni der Publizist Udo Ulfkotte angekündigt. Mehr zur Imagebildung gedacht sind wohl die Beiträge des bekannten Euro-Skeptikers Prof. Dr. Wilhelm Hankel und der Vorsitzenden der Migrantenpartei „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“ (BIG), Haluk Yildiz. Sie seien, schreibt das Bündnis, „in der Strategie der Normannia-Nibelungen die Publikumsmagneten und inhaltlichen Feigenblätter der diesjährigen Ideenwerkstatt“.

Weitere Absagen?

Die SVP-Politikerin Sylvia Flückiger-Bäni sagte ihren Vortrag ab, nachdem das Bündnis in der vorigen Woche erstmals über die Hintergründe der Veranstaltung informiert hatte. „Nachdem ich die Einladung bekommen habe, habe ich verschiedene Recherchen unternommen. Der Fall ist klar: Ich gehe dort nicht hin“, wurde sie in der Aargauer Zeitung zitiert. Auch andere Referenten hätten sich irritiert gezeigt, so dass das Bündnis mit der Absage weiterer Referenten rechne, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des BGDI. (red.)