NRW: NPD-Landeschef sieht eventuellem Verbotsverfahren „sehr gelassen entgegen“

BOCHUM – Der NPD-Landesvorsitzende Claus Cremer hat eine ganz eigene Theorie zur Zwickauer Terrorzelle und zu den Berichten über neonazistische Gewalt. Er halte „die gesamte Angelegenheit für eine (zum großen Teil) gezielte Aktion des Verfassungsschutzes, um die NPD und den gesamten nationalen Widerstand zu kriminalisieren und in der Öffentlichkeit in Mißkredit zu bringen“, verriet er in einem Interview, das auf der Homepage seines Landesverbandes veröffentlicht wurde.

„Die NPD lehnt Gewalt als Mittel der politischen Auseinandersetzung kategorisch ab“, beteuerte Cremer. Gewalt gehe vielmehr „in diesem Land von linksextremistischen Brandstiftern bzw. Bombenbauern und fremdländischen Kriminellen aus“, sagte er. Nicht gefragt wurde Cremer in dem Gespräch, warum sein eigener Kreisverband über Monate ein mit Feuerwerkskörpern und auch anderweitig zündelndes Mitglied in seinen Reihen duldete. Erst während des Gerichtsverfahrens und unter dem Druck handfester Beweise erklärte dieses (Ex-)Mitglied seinen Austritt aus der Partei.*

Kein Wort zu Breidbachs Gewaltfantasien

Ebenfalls nicht befragt wurde Cremer zu öffentlichen Auftritten seines Düsseldorfer Parteikameraden Manfred Breidbach. Der stellvertretende Vorsitzende des Kreisverbandes Düsseldorf/Mettmann hatte bei einer Demonstration in Hamm unter anderem erklärt, die „oberen Zehntausend“, zu denen er „die Führer aus Wirtschaft und Politik, hohe Würdenträger des Staates, Gewerkschaftsbonzen, Manager, Kirchenführer, Redakteure, Medienkartelle und so weiter“ rechnete, seien „Parasiten auf höchstem Niveau“. In naher Zukunft gebe es, so rief der NPDler ins Mikrofon, „nur eine einzige Möglichkeit, wie mit diesen Leuten zu verfahren ist, nämlich sie am nächsten Laternenpfahl aufzuhängen mit einem Schild um den Hals, auf dem geschrieben steht: ,Ich habe Verrat an meinem Volk begangen!’“** Bei einer Neonazi-Demonstration im Frühjahr in Stolberg hatte Breidbach erklärt, eines Tages werde Deutschland „im Glanze brennender Moscheen“ erstrahlen.*** Bei Cremer kein Wort dazu.

Verschwörungstheorien

Vielmehr kommt er mit einer Verschwörungstheorie daher: „Es ist doch erstaunlich, daß die gesamte Angelegenheit inkl. Berichterstattung gerade dann hochkommt, wenn das Bundesverfassungsgericht die 5%-Hürde zur Europawahl kippt und die NPD als die Anti-EU/Euro-Partei durch die Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Während der Moloch EU gerade zusammenbricht und die Träume der etablierten Eurofanatiker und Multi-Kulti-Phantasten zu platzen drohen, muß schnell ein Thema her das vom eigenen Versagen ablenkt.“

Einem neuerlichen Verbotsverfahren gegen seine Partei sehe er „sehr gelassen entgegen“, äußerte Cremer. Die NPD liefere „keine Gründe für ein Verbot, sondern spricht einfach nur offen und ehrlich Probleme an und bietet Lösungsmöglichkeiten“. Dass er Breidbachs Vorstellungen in die Kategorie der „Lösungsmöglichkeiten“ einordnet, würde der NPD-Landeschef vermutlich bestreiten. Thema des Interviews war diese Frage freilich nicht.

„Überhaupt nicht enttäuscht“

Cremer versicherte im Übrigen in den Gespräch, er sei „überhaupt nicht“ enttäuscht, dass er nicht wieder in den Bundesvorstand gewählt worden sei.**** Die NPD verfüge über etliche Köpfe, „die für die verschiedenen Ämter und Positionen innerhalb der Partei geeignet sind. Dass nicht all diese Köpfe zeitgleich die verschiedenen Positionen besetzen können ist absolut logisch“. Zudem werde er dem Parteivorstand auch weiterhin kraft Amtes angehören. Dabei wolle er darauf achten, „daß auch der Westen der Republik weiterhin Berücksichtigung findet“. (ts)

* /nrwrex/2011/05/lesetipp-austritt-aus-der-npd

** /nrwrex/2011/10/ham-am-n-chsten-laternenpfahl-aufh-ngen

*** http://www.heise.de/tp/artikel/35/35389/1.html

**** /nrwrex/2011/11/bo-cremer-bei-vorstandswahl-durchgefallen

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