UN/HAM: NPD-Voß erwartet von Spitzenfunktionär Entschuldigung bei „parteifreien“ Neonazis

UNNA/HAMM – Holger Apfel, NPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende in Sachsen und beim Parteitag am übernächsten Wochenende Kandidat für das Amt des Bundesvorsitzenden, soll sich bei den „parteifreien“ Neonazis in Hamm entschuldigen. Das erwartet jedenfalls deren Mentor, der NPD-Kreisvorsitzende für Unna und Hamm, Hans-Jochen Voß.

Apfel, der sich um ein „bürgerlicheres“ Image der NPD bemüht, hatte unlängst in einem Interview* erklärt, „notfalls“ müsse sich die Partei „auch mal von Leuten trennen, die die NPD nur instrumentalisieren oder Politik mit einem Abenteuerspielplatz verwechseln“. Falsch sei zum Beispiel bei der NPD, „wer Demos mit einem ,Event’ verwechselt, bei denen es nicht um die Vermittlung politischer Botschaften geht, sondern um pubertäre Bambule mit der Antifa oder der Polizei“.

„Aus der Gruft geholt“

Offenbar mit Blick auf den stellvertretenden Kreisvorsitzenden der NPD Düsseldorf/Mettmann, Manfred Breidbach**, und die Organisatoren einer Neonazi-Demo-Organisatoren Anfang Oktober in Hamm*** fuhr Apfel fort: „Gleiches gilt auch für die Krawall-Redner, die es schlau finden, in Marktplatzreden brennende Moscheen oder angeblich am nächsten Laternenpfahl aufzuknüpfende Politiker zu fordern – oder jene, die Kriminelle wie Arnulf Priem aus der Gruft holen und mit ihnen gemeinsame Veranstaltungen abhalten.“ Solche Leute seien aus seiner Sicht auch für die alltägliche Parteiarbeit nicht „wichtig“ oder „wertvoll“. Apfel: „Das Problem ist, daß einige wenige Idioten einen fatalen Gesamteindruck hinterlassen.“

„Idioten“ sicherten Landtagseinzug

Voß, der mit just jenen Hammer Neonazis seit Jahren eng zusammenarbeitet („Die Kameradschaft und die Partei sind der Weg – das Reich ist das Ziel“) und auch als Fürsprecher des Neonazi-Flügels innerhalb der Partei**** auftritt, mag eine solche Titulierung nicht im Raum stehen lassen. Apfel solle sich „für seine Äußerung freie Nationalisten in unserer Gegend wären ,Idioten’ entschuldigen“, schreibt er in den Kommentarspalten der NPD-eigenen Internetseite „DS Aktuell“. Voß: „Derartige Bezeichnungen sind genauso unangebracht und beleidigend wie wenn man Herrn Apfel als feisten Bonzen beschimpfen würde.“ Solche „Idioten“, so notiert er mit Blick auf die Unterstützung „parteifreier“ Neonazis im mecklenburg-vorpommerschen Wahlkampf im August und September, hätten „letztlich für Udo Pastörs den erneuten Landtagseinzug geschafft, wenn man die Ergebnisse in MVP betrachtet“.

„Fleißig und einsatzbereit“

An anderer Stelle hatte Voß geschrieben, er verwahre sich dagegen, „junge Leute, die fleißig und einsatzbereit sind, die vielleicht einmal über das Ziel schießen, zu beschimpfen“. „Pfleglich“ solle man miteinander umgehen, „da wir auch nach dem kommenden Parteitag dieselben Gesichter sehen werden und mit genau diesen Personen weiter machen müssen. Wir haben keine Anderen weder in Sachsen noch in NRW noch im restlichen Bundesgebiet“.

Wie berichtet*****, war jene Demonstration in Hamm auch in Teilen der nordrhein-westfälischen NPD auf harsche Kritik gestoßen. (ts)

* /nrwrex/2011/10/brd-holger-apfel-die-npd-und-einige-wenige-idioten-aus-nrw

** /nrwrex/2011/10/ham-am-n-chsten-laternenpfahl-aufh-ngen

und

http://www.heise.de/tp/artikel/35/35389/1.html

*** /nrwrex/2011/06/ham-neonazi-original-aus-der-reichshauptstadt

**** /nrwrex/2011/09/dn-npd-kreisverband-bleibt-ns-treu

***** /nrwrex/2011/10/hamen-auch-nicht-das-kleinste-ns-klischee-ausgelassen