K: 50 Neonazis bei Demo in Kalk

KÖLN – Der Kölner Stadtteil Kalk scheint kein guter Ort für Demonstrationen der extremen Rechten zu sein. Vor einigen Wochen musste „pro NRW“ vorzeitig wieder kehrtmachen, da Gegendemonstranten sich auf der Straße niedergelassen hatten und ein Weiterkommen unmöglich machten.* Heute konnten die Neonazis rund um Axel Reitz zwar wie vorgesehen ein paar Hundert Meter durch Kalk ziehen – die Teilnehmerzahl blieb aber sehr weit hinter den Erwartungen zurück.

Gerade einmal etwas mehr als 50 Neonazis hatten sich mittags an der S-Bahnstation Trimbornstraße versammelt, um von dort unter dem Motto „Gegen Polizeirepression und Medienhetze! – Volkstreue und Vaterlandsliebe lassen sich nicht kriminalisieren!“ in Richtung Polizeipräsidium zu ziehen. Worum es ihnen im Wesentlichen ging, verriet eine Überschrift auf der Internetseite des „Freien Netzes Köln“. „Revanche“ wurde dort gefordert. „Revanche“ dafür, dass die Polizei Ende November den Auftritt des US-amerikanischen Rassisten und Antisemiten David Duke bei einer Saalveranstaltung der Kölner Neonazis in Dellbrück verhindert hatte.**

Ordner gesucht

Ganz überwiegend aus dem Rheinland, dazu aus Wuppertal und vereinzelt aus dem Ruhrgebiet waren heute Neonazis in die Domstadt gekommen. Bereits ihr Abmarsch am S-Bahnhof verzögerte sich, weil sie erst einmal Ordner in ihren Reihen suchen mussten, die noch nicht wegen Gewaltdelikten auffällig geworden sind.*** Nebenbei musste der als Versammlungsleiter fungierende Neonazi Christian Worch die Teilnehmer gleich zweimal ermahnen, sich bei der Demonstration nicht zu vermummen.

„Wir sind Nazis!“

Reitz, der vor dem Polizeipräsidium neben u.a. Paul Breuer und Worch ans Mikrofon trat, bemühte sich in seiner Rede um eine Abgrenzung von den Rechtsterroristen Böhnhardt, Mundlos und Zschäpe. Das seien „VS-gesteuerte Verbrecher, das sind ein paar Irre, das sind aber keine Nationale Sozialisten“, rief Reitz. Anders als er und seine „Kameraden“, die an diesem Tag in Kalk waren: „Jawohl, wir sind Nazis!“, bekannte er. Das Label „nationalsozialistisch“ will er sich jedenfalls vom „sogenannten Nationalsozialistischen Untergrund“ nicht streitig machen lassen.

Straßenkampf

Und sein Fußvolk zog wieder Richtung S-Bahn. Von einer verbalen Absage an Gewalt hielt Reitz’ Gefolgschaft offenbar wenig. „Macht den Linken richtig Dampf – Straßenkampf, Straßenkampf“, „Linke Gezeter – neun Millimeter“ und „Nationaler Sozialismus bis zum Tod“ skandierten die Neonazis unterwegs. (rr/ts)

* /nrwrex/2011/11/k-demo-musste-nach-200-metern-stoppen

** /nrwrex/2011/11/k-neonazis-planen-noch-diesem-jahr-demonstration-der-domstadt

und

/nrwrex/2011/11/k-neonazi-redner-aus-usa-ohne-aufenthaltserlaubnis

*** Die Kölner Polizei berichtete außerdem, dass ein Neonazi an einer Sperrstelle der Einsatzkräfte festgenommen worden sei. Gegen ihn habe ein Haftbefehl bestanden.