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Beate & Serge Klarsfeld — Die Nazijäger

Die 2021 erschienene Graphic Novel über das Leben von Beate Klarsfeld und Serge Klarsfeld beginnt mit der wohl bekanntesten Ohrfeige in der Geschichte der BRD. Am 7. November 1968 ohrfeigte Beate Klarsfeld in Berlin den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, um dessen NS-Vergangenheit zu skandalisieren.

Der Episode um den Fall Kiesinger folgen Kapitel über die Jagd nach NS-Verbrechern und die Versuche, diese vor Gericht zu bringen, unter anderem die Entführung des ehemaligen Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD in Paris, Kurt Lischka, und die Suche nach dem ehemaligen Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie, der sich unter falschem Namen in Südamerika aufhielt. Ergänzt werden die chronologisch dargestellten Episoden der Jagd nach den Naziverbrechern immer wieder durch in Grautönen gehaltene Rückblenden, in denen zum einen Episoden aus der Biographie der Klarsfelds, zum anderen Erinnerungen von Zeitzeug_innen dargestellt werden. Das Format der Graphic Novel bietet einen komprimierten Zugang zur Geschichte der Klarsfelds und ihrer Jagd nach NS-Verbrechern. Er basiert auf der 2015 im Piper-Verlag erschienenen Autobiographie „Erinnerungen“ von Beate und Serge Klarsfeld, in der diese jeweils abwechselnd über ihr gemeinsames Leben, ihren Kampf gegen die Straffreiheit von NS-Verbrechern, ihre Recherchen zu deportierten jüdischen Kindern aus Frankreich und ihr Engagement in der Erinnerungspolitik berichten.

Beate und Serge Klarsfeld haben den in der Shoa ermordeten Jüdinnen_Juden Frankreichs ein Gesicht gegeben und sie dem Vergessen entrissen. Mit der Graphic Novel haben Pascal Bresson und Sylvain Dorange diesen beiden unermüdlichen Kämpfer_innen der Erinnerung ein Denkmal gesetzt.

Pascal Bresson, Sylvain Dorange
Beate & Serge Klarsfeld — Die Nazijäger
Carlsen Verlag, Hamburg 2021
208 Seiten, 28 Euro

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