Artikel aus dem Ressort Rezension

Das Wissen um die Dimensionen des deutschen Vernichtungskriegs in Osteuropa ist in der deutschen Gesellschaft bis heute gering. Zusammen mit Studierenden haben die Osteuropa-Historiker_innen Franziska Davies und Katja Makhotina Erinnerungsorte mit Bezug zum Zweiten Weltkrieg besucht. Die dabei gesammelten Erfahrungen und die Auseinandersetzung mit den Orten haben sie in dem im Frühjahr 2022 erschienenen Band zusammengefasst.

Als die Graphic Novel 2021 in den USA erschien, wurde sie schnell zu einem Erfolg. Nun ist sie endlich auch auf Deutsch erschienen. Die Juristin und Historikerin Rebecca Hall nimmt Leser*innen mit auf ihre Reise bei der Erforschung der Geschichten widerständiger versklavter Schwarzer Frauen im Rahmen des transatlantischen Sklavenhandels.

Mit „Privatstädte. Labore für einen neuen Manchesterkapitalismus“ wendet sich Andreas Kemper einem spannenden Thema sowie einer meist nur wenig beachteten politischen Akteursgruppe zu. Marktradikale Rechte träumen seit einiger Zeit davon, privatrechtlich organisierte Städte zu gründen, die letztlich außerhalb des Einflussbereiches existierender Staaten und damit auch jenseits demokratischer Willensbildung liegen.

Eines vorweg: Die Behauptung des Verlages, dass es sich um das erste Buch handele, das die Geschichte antifaschistischer Bewegungen in Deutschland beleuchtet, ist schlichtweg falsch. Hierzu sind schon einige Bücher verfasst worden. Ironischerweise werden sie sogar als Quellen zitiert. Aber seien wir gnädig und lassen eine solche Behauptung, die offenbar Werbezwecken dient, einmal durchgehen.

Solidarität heißt das Gebot der Stunde! In dem von Lea Susemichel und Jens Kastner im Unrast Verlag herausgegebenen Sammelband geht es um eine „unbedingte Solidarität“, die drei Aspekte beinhaltet. 

Eine Broschüre der Kulturstiftung des DFB erzählt von Fußball-Pionier Julius Hirsch und von den Menschen, die wie er im März 1943 in das Konzentrations- und Mordlager Auschwitz verschleppt wurden.

Zwischen 1933 und 1935 waren in den Grenzregionen der Sächsischen Schweiz und des Osterzgebirges zur Tschechoslowakei mehrere Gruppen aus dem Bergsportmilieu im antifaschistischen Widerstand aktiv. Sie schmuggelten illegale Literatur und Flugblätter aus der Tschechoslowakei ins deutsche Reich und führten in die andere Richtung von den Nazis verfolgte Personen auf der Flucht über die Grenze.

Die 2021 erschienene Graphic Novel über das Leben von Beate Klarsfeld und Serge Klarsfeld beginnt mit der wohl bekanntesten Ohrfeige in der Geschichte der BRD. Am 7. November 1968 ohrfeigte Beate Klarsfeld in Berlin den damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, um dessen NS-Vergangenheit zu skandalisieren.

Die Graphic Novel erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Eleni, die sich gemeinsam mit ihrem Alt-68er Freund Rudi entschließt, den Wahlkampf der AfD aufzumischen. Dafür greifen sie auf klassische Taktiken einer Kommunikationsguerilla zurück. Sie überkleben Wahlplakate, ändern Wahlbotschaften ab und verstreuen Vogelfutter auf die Bundesgeschäftsstelle der AfD, damit diese von Vögeln zugekotet wird. Zwischendurch werden sie dafür zur Zielscheibe neonazistischer Gewalt aus dem Umfeld der AfD.

Kurz nach dem Urteil im Prozess gegen Stephan Ernst legte Martín Steinhagen mit seinem Buch „Rechter Terror“ nicht nur eine umfassende Darstellung der Geschehnisse und eine ausführliche politische Biographie des Täters vor, sondern auch eine präzise Einordnung des Komplexes in die Geschichte und Gegenwart des rechten Terrorismus in Deutschland.