Artikel aus dem Ressort Schwerpunkt

Im Gespräch mit Stephan Trüby über rechte Räume

Der Architekturtheoretiker Stephan Trüby zählt zu den profiliertesten Kritiker*innen einer rechten Einflussnahme auf Architektur und Stadtplanung. Seine Debattenbeiträge, etwa zum Neubau einer „Frankfurter Altstadt“, fanden starke Resonanz. Seit 2018 leitet Trüby das „lnstitut für Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen“ (IGmA) der Universität Stuttgart.

Eine Einleitung in den Schwerpunkt

Wie Städte strukturiert und gestaltet sind, hat erheblichen Einfluss auf die dort lebenden Menschen. Was, wo und wie gebaut wird, wer welche Räume zu welchen Zwecken nutzen darf, sind politische Fragen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass um diese Fragen gesellschaftlich gerungen wird und die Stadt und deren Gestaltung umkämpftes Terrain darstellen.

Die Stadt im rechten Diskurs

Die Rechte in Deutschland setzt sich zunehmend mit städtischen Orten auseinander. Sie erkennt dort einen Möglichkeitsraum neuer Sichtbarkeit und Mobilisierung, begibt sich in Konflikte um Städtebau oder Sicherheitspolitik. Die Stadt wird damit zur Bühne regressiver Politiken und zur Adressatin rechter Vorstellungen von Harmonie, Ordnung und Gemeinschaft. Zudem zeigt diese Tendenz den Stellenwert, den Raumbezüge für rechtes Denken haben.

Die Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt

Im September 2018 wurde die neue Altstadt in Frankfurt eröffnet. Die erste politische Initiative zur Rekonstruktion der im Zweiten Weltkrieg zum Teil zerstörten Altstadt um den Frankfurter Römer ging von den rechten „Bürgern für Frankfurt“ aus.

Foto: Kampagne "NS-Verherrlichung stoppen"
Kundgebung vor der ungarischen Botschaft in Berlin am 13. Februar 2021.
Internationale Proteste gegen geschichtsrevisionistische Naziaufmärsche

Seit Jahren gibt es Proteste gegen die geschichtsrevisionistischen Naziaufmärsche in Budapest und Sofia. Mit der Kampagne „NS-Verherrlichung stoppen“ (K.), der Antifa/AFA Sofia (A.S.) und Antifas aus Budapest (A.B.) sprachen wir über internationale Vernetzung und antifaschistische Interventionen.

Eine Einleitung in den Schwerpunkt

Fackeln, Fahnen, faschistische Symbole. Tausende, zum Teil in historische Uniformen der Wehrmacht, der Waffen-SS und von deren Verbündeten gekleidete Nazis aus ganz Europa versammeln sich, um den Angehörigen der Waffen-SS und/oder NS-Kollaborateuren zu gedenken. Die Bilder von den jährlichen Naziaufmärschen im bulgarischen Sofia, in Ungarns Hauptstadt Budapest und im lettischen Riga ähneln sich.

Gedenkveranstaltungen und Aufmärsche zu Ehren von NS-Kollaborateuren in Ost- und Südosteuropa

Gedenkveranstaltungen und Aufmärsche zur Erinnerung an NS-Kollaborateur_innen sind mit ihren Opfermythen wichtige Kristallisationspunkte für die extreme Rechte in ganz Europa geworden. Zahlreiche Kollaborateur_innen überwinterten im Kalten Krieg in der Bundesrepublik; manche beteiligten sich ab 1990 am Wiederaufbau der extremen Rechten in ihren Herkunftsländern.

Der jährliche Aufmarsch zu Ehren Hristo Lukovs in Sofia

Der „Lukov-Marsch“ hat sich für die europäische extreme Rechte zu einem fixen Termin im Kalender entwickelt. Trotz regelmäßiger Versuche, den Aufmarsch zu verbieten, hatte das Verbot bisher nur 2020 und 2021 Bestand. Ein gescheitertes Verbotsverfahren gegen die Organisa­tor_innen dürfte künftige Verbote des Marsches erschweren.

Der „Tag der Ehre“ in Budapest

Jedes Jahr findet ein neonazistisches Spektakel in der ungarischen Hauptstadt Budapest statt. Rund um den sogenannten „Tag der Ehre“ wird ein ganzes Potpourri neonazistischer Erlebniswelten geboten: Neben Aufmarsch, uniformiertem Heldengedenken und RechtsRock- Konzert ist es insbesondere der Leistungsmarsch „Ausbruch 60“, der eine hohe Anziehungskraft besitzt. Auch für die deutsche Neonazi-Szene, die seit vielen Jahren nach Budapest pilgert.

Interview mit Magdalena Marsovszky

Das faschistische Horthy-Regime wird nicht nur von der extremen Rechten in Ungarn verehrt. Die Glorifizierung der Horthy-Zeit und die Relativierung der ungarischen Beteiligung an der Shoa ist in Ungarn weit verbreitet. Die Kulturwissenschaftlerin Magdalena Marsovszky arbeitet seit vielen Jahren zu den Themen Antisemitismus, Antiziganismus und völkisches Denken in Ungarn. Mit ihr sprachen wir über den Geschichtsrevisionismus in der ungarischen Gesellschaft.