100 Ausgaben LOTTA
Einleitung in den Schwerpunkt
Mit der Gründung von LOTTA wurde auf eine Leerstelle in der damaligen antifaschistischen Publizistik reagiert. Nach dem Ende der „Antifaschistischen NRW Zeitung“ existierte kein überregionales Zeitschriftenprojekt in Nordrhein-Westfalen mehr, das auch die autonom organisierte Antifa-Szene abbildete und einen Ort für die Veröffentlichung von Rechercheergebnissen und politischen Einschätzungen bot.
Dass sich LOTTA als derart beständig erweisen sollte, hat damals wohl niemand vermutet. Doch im Projekt entwickelten sich über die Jahre zuverlässige Produktionsroutinen und LOTTA gewann neue Leserinnen und Autorinnen – auch über die Grenzen des Bundeslandes und die Antifa-Szene hinaus. Schließlich erweiterte sich 2010 die Zeitschrift ganz offiziell und firmiert seitdem als „Antifaschistische Zeitung aus NRW, RLP und Hessen“.
Trotz einer gewissen Professionalisierung ist LOTTA bis heute ein ehrenamtliches und von institutioneller Förderung unabhängiges Projekt geblieben, in das unzählige Antifaschist*innen ihre Zeit und Energie investierten. Diese Arbeit fand nicht nur in der Redaktion und dem Layoutteam, sondern vielfach auch außerhalb statt: Gastautor*innen lieferten Artikel; Fotograf*innen stellten ihr Bildmaterial zur Verfügung; im Vertrieb und Weiterverkauf fanden sich zahlreiche helfende Hände; Gruppen und Einzelpersonen standen uns in Interviews Rede und Antwort oder teilten ihre Rechercheergebnisse mit uns; hin und wieder wurden Soli-Konzerte veranstaltet oder Spenden gesammelt… Für diese Unterstützung möchten wir uns ganz herzlich bedanken! Ohne euch wären 100. Ausgaben nicht möglich gewesen.
Mehr als 26 Jahre sind seit der Erstausgabe ins Land gegangen. 2025 sehen wir uns mit einer gesellschaftlichen Situation konfrontiert, die bei Gründung der LOTTA nicht absehbar war: In Deutschland und Europa haben extrem rechte Parteien eine Stärke erreicht, die ihnen eine Regierungsbeteiligung ermöglicht oder eine solche zumindest in greifbare Nähe rücken lässt; in den USA wird die Demokratie in großer Geschwindigkeit in ein autoritäres System umgebaut; Big-Tech-Konzerne mit ihren antidemokratisch gesinnten CEOs kontrollieren erhebliche Teile der Medien; auf multiple Krisen reagieren bürgerliche Regierungen mit einem verschärften Klassenkampf von oben; Krieg ist in einigen Teilen der Welt ein permanenter Zustand…
In dieser Situation agiert Antifaschismus weniger denn je aus einer komfortablen Lage heraus – und bleibt doch so dringend notwendig. Antifaschistisches Engagement mit informierten Einschätzungen und Analysen zu unterstützen, war seit jeher ein Ziel von LOTTA. Wir werden sehen, in welcher Form dies zukünftig sinnvoll umgesetzt wird.
Im Gespräch mit dem LOTTA-Gründungsmitglied Rainer Brahms blicken wir zurück auf die Entwicklung unseres Zeitschriften-Projekts.
Fabian Virchow zeichnet anhand von Themen und Schwerpunkten der LOTTA die Veränderungen in der extremen Rechten in den vergangenen 26 Jahren nach.
Marie, Christian und Marlene sind aktive bzw. ehemalige Mitglieder des Layoutteams. Im Interview mit ihnen sprechen wir über die grafische Gestaltung der LOTTA und dass man sich, bei aller Ernsthaftigkeit des Themas, über Nazis mauch lustigmachen muss.