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Rechter Terror

Kurz nach dem Urteil im Prozess gegen Stephan Ernst legte Martín Steinhagen mit seinem Buch „Rechter Terror“ nicht nur eine umfassende Darstellung der Geschehnisse und eine ausführliche politische Biographie des Täters vor, sondern auch eine präzise Einordnung des Komplexes in die Geschichte und Gegenwart des rechten Terrorismus in Deutschland.

In den sieben Kapiteln beschreibt das Buch den Werdegang von Stephan Ernst, die historischen und ideologischen Bezüge der Tat und des Täters, das Handeln der Behörden, den Stellenwert der rassistischen Mobilisierung und den Prozess in Frankfurt. Zudem zeichnet er ein ausführliches Bild der Betroffenen. Steinhagen gelingt es, gut leserlich die komplexen Themen miteinander zu verbinden und damit einen analytischen Mehrwert für die Leser_innen zu bieten. Bemerkenswert ausführlich widmet er sich dabei der Perspektive der Betroffenen rechter Gewalt und vermeidet damit die klassische Fokussierung auf die Person des Täters. Vielmehr steht Ernsts Einbindung in die rechte Szene in den unterschiedlichen Phasen seines Lebens und seine ideologischen Bezugspunkte im Zentrum der Beschreibung. Besonderes Augenmerk verdient die Einschätzung des sogenannten hessischen Geheimberichtes, dessen Freigabe aktuell durch die Regierung abgelehnt wurde und der Steinhagen vorlag. Er bewertet: „Der Bericht macht im Kern zweierlei deutlich: zum einen, wie viele Informationen dem hessischen Geheimdienst vorlagen, und zum anderen, wie gefährlich fahrlässig damit umgegangen worden ist.“

Das Buch bietet einen aktuellen und gewinnbringenden Einblick in den Themenbereich rechter Terrorismus. Einzig die Beschreibung des Verbots von Combat 18 erstaunt. Steinhagen beschreibt zwar die Diskrepanz im behördlichen Handeln zwischen den Aussagen des Innenministeriums 2018 und dem überraschenden Verbot, vergisst aber zu erwähnen, dass die Struktur inklusive Handbuch und Kontoauszüge im Juli 2018 von Antifaschist_innen offengelegt wurde.

Martín Steinhagen:
Rechter Terror. Der Mord an Walter Lübcke und die Strategie der Gewalt
Rowohlt Verlag, Hamburg 2021
303 Seiten, 18 Euro

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