Die Stimme der „Hooligans gegen Salafisten“

Die rechte Band „Kategorie C“

Hannes Ostendorf, Sänger der Band „Kategorie C“ (KC), weiß, wie er sein Publikum ansprechen muss. Am 26. Oktober 2014 stand er beim Aufmarsch der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln auf der Bühne und erklärte den versammelten „Fussballfans, Ultras, Hooligans“ und „Freunden der dritten Halbzeit“, sie würden hier schikaniert, obwohl sie doch „nur etwas Spaß haben“ wollten. Dann begann er den Song „Hooligans gegen Salafisten“ zu singen, den seine Band kurz zuvor veröffentlicht hatte. Die Menge klatschte und grölte mit.

Hannes Ostendorf, Sänger der Band „Kategorie C“ (KC), weiß, wie er sein Publikum ansprechen muss. Am 26. Oktober 2014 stand er beim Aufmarsch der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) in Köln auf der Bühne und erklärte den versammelten „Fussballfans, Ultras, Hooligans“ und „Freunden der dritten Halbzeit“, sie würden hier schikaniert, obwohl sie doch „nur etwas Spaß haben“ wollten. Dann begann er den Song „Hooligans gegen Salafisten“ zu singen, den seine Band kurz zuvor veröffentlicht hatte. Die Menge klatschte und grölte mit.

Zuvor hatte Kategorie C ihre Beliebtheit unter rechten Hooligans und Fußballfans genutzt, um kräftig die Werbetrommel für den Kölner Aufmarsch zu rühren. Die Rechnung ging auf. Der überlange Werbe-Jingle wurde in den sechs Tagen zwischen Veröffentlichung bei YouTube und Aufmarsch über 120.000 mal abgerufen. Die HoGeSa-Veranstaltung endete in Ausschreitungen, als JournalistInnen, PolizeibeamtInnen und PassantInnen angegriffen, Geschäfte demoliert wurden. Erst der Einsatz von Wasserwerfern konnte die Lage halbwegs beruhigen. Doch die Aktivitäten von Kategorie C sind auch jenseits ihres Engagements für HoGeSa beachtenswert. Die Band ist eine der aktivsten der deutschen RechtsRock-Szene. Allein 2014 wurden 21 Konzerte angekündigt. Zudem ist eine deutliche Hinwendung zu den internationalen Musik-Netzwerken des offenen Neonazismus, vor allem zu Blood & Honour, festzustellen.

Fußball und Gewalt

Zunächst war Kategorie C nur ein Projekt von Mitgliedern diverser neonazistischer Bands aus Bremen. Sie nahmen die Fußball-EM 1998 zum Anlass, um den geliebten Sport zum Vehikel von Weltmachtphantasien umzufunktionieren: „Wir sehen uns in jedem Fall, im Sommer ‘98 beim Frankreichüberfall! Vier, Fünf! Wir sind wieder einmarschiert, wir sind wieder einmarschiert!“, heißt es im Titelsong ihrer CD „Fußballfest ‘98“. Der Name Kategorie C bezieht sich auf die Bezeichnung der Polizei für „gewaltsuchende Fans“. Dem Musikprojekt gelang es tatsächlich, in der Fußball-Szene Verbreitung zu finden und so über den Rahmen der Neonazi-Szene hinaus wahrgenommen zu werden. Dieser Erfolg führte dazu, dass aus dem Projekt eine eigenständige Band wurde.

Sänger von Kategorie C war und ist der Bremer Hannes Ostendorf (41). Ostendorf war, genau wie sein Bruder Henrik, damals in der Bremer Hooligan-Gruppe Standarte 88, später Standarte Bremen, aktiv. Die Standarte gab im Januar 2015, offenbar in Erwartung von Repressalien, ihre Auflösung bekannt. Während Henrik zum NPD-Funktionär aufstieg, nutzte Hannes seinen Ruf und seine „street credibility“ zur Etablierung von Kategorie C. In ihrer Anfangszeit versteckte die Band ihre Bezüge zur extremen Rechten nicht. Sie steuerte Lieder zu Samplern der RechtsRock-Szene bei; 2006 trat Sänger Hannes Ostendorf in Berlin auf einer von der NPD organisierten Kundgebung für den inhaftierten Michael Regener, Sänger der Neonazi-Band Landser, auf. Auch zur Fußball-WM 2006 veröffentlichte Kategorie C einen Song: „Deutschland dein Trikot. Das ist schwarz und weiß. Doch leider auch die Farbe deiner Spieler. In München, Rom und Bern, da gab’s noch echte Deutsche.“ Es ist eins der letzten Lieder, in denen die Band noch offenen und platten Rassismus propagierte. Danach konzentrierte sie sich fast vollständig auf das Thema Fußball und Hooliganismus.

Fußball ist Fußball, Politik bleibt Politik

Ab jetzt wurde nach außen offensiv die Maxime „Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik“ vertreten. Dem Wandel lag vermutlich – dem Vorbild der Böhsen Onkelz folgend – das Kalkül zugrunde, als vermeintlich „unpolitische Band“ erfolgreich den Weg in Richtung Mainstream zu beschreiten. Auf der Reise dahin konnte die Band in der März-2008-Ausgabe des Musik-Magazins Metal Hammer sogar eine ganzseitige Anzeige für ihr Album „Für immer KC!“ schalten. Kategorie C erschloss sich eine große AnhängerInnenschaft in Teilen der Fußballfan- und Hooliganszenen. Den Fans gelten Liedzeilen wie „Wir sind Hools und werden uns ewig jagen, gegenseitig auf die Schnauze schlagen, für immer Kategorie C. So sind wir.“ als authentische Beschreibung ihres Lebensgefühls.

Trotz aller Erfolge krachte es im Gebälk, die Konzerte der Band wurden immer wieder untersagt, und die alten Neonazi-Kameraden nahmen den Musikern ihre vordergründige Distanzierung von der Politik übel. Vor allem konnte Kategorie C den Makel, als Band der extremen Rechten wahrgenommen zu werden, auch mit erweiterter Fanbasis nicht abschütteln. Zu penetrant wiesen AntifaschistInnen regelmäßig auf den Background der Band hin. Es half auch nichts, dass der Inlandsgeheimdienst (Verfassungsschutz) die Band zumeist nicht als „rechtsextremistisch“ einstufte.

Die Stagnation auf dem Weg in den Mainstream und damit zum kommerziellen Erfolg führte zu Auseinandersetzungen zwischen den Bandmitgliedern. Ende 2012 verließen Gitarrist Rainer Friedrichs und der Schlagzeuger Magnus „Macke“ Ahlgrim Kategorie C. Sie wurden von Julian Keil (Schlagzeug), Florian Keil (Bass) sowie Gitarrist Marcel Achtstätter ersetzt. Von der alten Besetzung blieben Ostendorf und Stefan „Ernie“ Behrens (Gitarre) übrig. Die erst Anfang 20-jährigen Brüder Keil und Marcel Achstätter stammen alle aus dem hessischen Odenwald und gründeten dort 2009 die Band Hausverbot (vgl. LOTTA #52, 34-35). Mit ihr sind sie im Jahr 2012 mehrmals als Vorband von KC in Erscheinung getreten. Seit dem Einstieg bei Kategorie C ist von Hausverbot nichts mehr zu vernehmen.

Zurück zum offenen Neonazismus

Der Mainstream als Ziel scheint mittlerweile abgeschrieben zu sein. Im Herbst 2013 kehrte die Band zu der in der Szene üblichen Praxis der Untergrundkonzerte zurück. Sie würden „Konzerte von KC in der BRD nicht mehr über die Internetseite bewerben und es wird auch ab sofort keinen Vorverkauf mehr geben. Die Konzerte werden geheim gehalten und nicht mehr öffentlich beworben“, ließ die Band wissen. Auslöser war ein geplatzter Auftritt am 2. Oktober 2013 in Ostwestfalen, der nach der Kündigung des Raums durch den Vermieter abgesagt werden musste. Tatsächlich werden die Termine der meisten Konzerte weiterhin offen beworben. Die Band sichert sich ab, indem sie nur grobe Ortsangaben macht und die BesucherInnen am Konzertabend über Schleusungspunkte zum Veranstaltungsort führt. Der Weg vom Schleusungspunkt zum eigentlichen Auftrittsort ist dann oft lang – vielfach wich die Band in Nachbarländer aus. Allein 2014 fanden sechs für die BRD angekündigte Auftritte im nahegelegenen Ausland statt. Von NRW führte der Weg zumeist in die Niederlande oder nach Belgien, statt in Karlsruhe oder Kaiserslautern trat die Band in Frankreich auf. Bei einigen Konzerten hat Kategorie C tatsächlich auf öffentliche Bewerbung verzichtet, so für ihren Auftritt mit der schwedischen Band Pitbullfarm am 5. September 2014 in Marl.

Die Rückkehr zum offenen Rassismus tritt bei den Auftritten der Band im Ausland am deutlichsten zu Tage. Ihre Einbindung in das internationale RechtsRock-Netzwerk und speziell in das von Blood & Honour ist offensichtlich. Für den 29. März 2014 etwa war ein Auftritt der Band in Italien angekündigt, der von den Veneto Fronte Skins, dem italienischen Arm des in Deutschland verbotenen Blood & Honour-Netzwerks, organisiert wurde. Für den 7. Juni 2014 mobilisierte die französische Blood & Honour-Sektion Hexagone zu einem Event mit Kampfsport und Musik, bei dem auch KC angekündigt war. Am 25. Oktober 2014 trat die Band dann zusammen mit Pitbullfarm und der RechtsRock-Legende Brutal Attack für Blood & Honour Slovenia auf. Fotos des Auftritts zeigen die mit einer Hakenkreuzfahne ausstaffierte Halle, ein Hakenkreuz „schmückt“ auch das T-Shirt des Gitarristen von Pitbullfarm.

Dass Ostendorf selbst nicht mehr an einen Erfolg jenseits der extremen Rechten glaubt, zeigt sich auch anderweitig. Für den 5. April 2014 war unter dem Motto „Support the movement“ ein Konzert in „Western Europe“ angekündigt, das vermutlich in Belgien stattfand. Mit von der Partie sollte die Bremer RechtsRock-Band Nahkampf sein, für die Ostendorf schon in seiner Jugend gesungen haben soll. Während ein Verbot des von Patrick Schröder organisierten „Live H8 II“ am 14. Mai 2014 einen Auftritt in diesem Rahmen verhinderte, stand Ostendorf am 23. August 2014 im thüringischen Hildburghausen im Rahmen einer „Kundgebung“ des NPD-nahen Bündnis Zukunft Hildburghausen als Sänger von Nahkampf auf der Bühne.

Sprachrohr der Bewegung

„Musik schweisst zusammen und jeder der gegen Salafisten ist sollte sich nicht wegen Kleinigkeiten und persönlichen Anfeindungen auseinander bringen lassen. HOGESA, GEMEINSAM SIND WIR STARK und wie sie auch alle heißen, es geht um die Sache und nichts anderes, es geht um Deutschland“, mahnt Hannes Ostendorf zum Jahresende 2014. Denn die HoGeSa-Akteure haben sich mittlerweile zerstritten. Ostendorf aber macht weiter. KC war der Headliner eines für den 24. Januar angekündigten HoGeSa-Solidaritätskonzerts im Ruhrgebiet. Mit auf der Bühne stehen sollte das Berliner Duo A3stus, bestehend aus dem Berliner Rapper Patrick Killat alias Villain051 und dem Liedermacher Recht auf Wahrheit. Auch der dritte angekündigte Act, der Sänger der Band F.i.e.L, entstammt der neonazistischen Musikszene. F.i.e.L veröffentlichte 2012 das Album „Fremde im eigenen Land“ bei dem Chemnitzer Label PC Records, das im selben Jahr von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien indiziert wurde.

Aus dem Konzert wurde nichts. Die Organisatoren hatten den Kulturbunker in Duisburg-Marxloh unter falschen Angaben gemietet. Als die Vermieter feststellten, was genau stattfinden sollte, kündigten sie den Vertrag. Ostendorf übte nach dem Konzert Kritik: „Leider haben die Veranstalter entscheidende Fehler gemacht, man muss es leider so deutlich ansprechen. Wenn Verträge ohne Vertragsstrafe ausgehandelt werden, wenn nicht ans Infotelefon gegangen wird, dann kann ein Konzert nicht klappen.“ Zum Bruch führte die Konzertpleite allerdings nicht.

Bedingter Erfolg

Trotz der Reorientierung auf die extreme Rechte hat KC bis heute nicht aufgehört zu behaupten, die Band habe mit Politik nichts am Hut. In ihren Texten konzentriert sie sich thematisch weiterhin auf „Fußball und Gewalt“. Gleichzeitig bedient sie sich jedoch klassischer Feindbilder der extremen Rechten. Die Mischung ist krude, doch die Band trifft damit den Nerv des Spektrums der „Hooligans gegen Salafisten“, die vorwiegend Gewalthabitus, Rassismus und Fußball einen. Unter rechten Hooligans gilt Ostendorf als „authentisch“, als einer von ihnen. Er scheint begriffen zu haben, dass seine Karriere nicht in den Mainstream führen wird. Er nimmt nun mit, was er kann, und versucht, seinen Lebensunterhalt in der rechten Szene zu verdienen. Die internationalen Events und die enorme Anzahl der Konzerte dürften ebenso Geld einbringen wie der 56-seitige Katalog mit professionellem Band-Merchandising. Selbst eine App für Smartphones bietet KC an. Ostendorf, ganz findiger Geschäftsmann, nutzte auch die HoGeSa-Kundgebung in Köln, um Geschäfte zu machen: Aus einem Bulli heraus wurden Merchandise-Artikel verkauft. AbnehmerInnen fand Ostendorf genug.

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Gespaltene Bewegung ohne Massenbasis

PEGIDA-Ableger in NRW

Inspiriert von den großen Montagsdemonstrationen in Dresden bildeten sich im Dezember in NRW lokale Ableger der „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (PEGIDA). In Düsseldorf, Bonn und Köln riefen sich DÜGIDA, BOGIDA und KÖGIDA nennende Zusammenhänge zu „Abendspaziergängen“ auf. Auf einen massenhaften Zuspruch wie in Dresden stießen sie erwartungsgemäß nicht, ihren Aufrufen folgten nie mehr als 500 Personen. Anfang Januar spaltete sich zudem das „Orga-Team“ von PEGIDA NRW. Seither gibt es zwei „Teams“, die für sich die legitime Vertretung von PEGIDA in NRW reklamieren. Die von ihnen in Düsseldorf und Duisburg organisierten „Abendspaziergänge“ ziehen aber immer weniger Mitstreiter\_innen an.