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Kein Vergessen

Seit Jahrzehnten warnen Antifaschist*innen vor den tödlichen Folgen rechter Hetze und Gewalt. Immer wieder wird dabei auf die Diskrepanz zwischen der Zahl der staatlicherseits anerkannten Todesopfer rechter Gewalt und der Zahl der von Journalist*innen und antifaschistischen Initiativen recherchierten Todesopfer hingewiesen. Doch eher selten wird die Geschichte der Menschen, die sich hinter diesen Zahlen verbergen, erzählt, bekommen die Opfer einen Namen und ein Gesicht.

Seit Juli 2014 veröffentlicht Thomas Billstein, der sich seit den frühen 1990er Jahren antifaschistisch engagiert, fast täglich Beiträge bei Twitter, um an ihren Todestagen an die Opfer zu erinnern. Seine umfangreichen Recherchen hat er nun in Buchform veröffentlicht. Entstanden ist eine erschütternde Dokumentation tödlicher rechter Gewalt in Deutschland nach 1945. Billstein stellt auf jeweils einer Seite die jeweiligen Fälle vor. Dabei schildert er nicht nur die Tat, sondern trägt auch, soweit bekannt, Informationen über das Leben der Ermordeten und die juristische Strafverfolgung zusammen. Ergänzende Illustrationen geben den Opfern nicht nur einen Namen, sondern auch ein Gesicht. Gerahmt wird die Dokumentation durch kurze einführende Kapitel zur Definition rechter Gewalt und unterschiedlicher Zählweisen, zu Täter*innen und Tatmotiven sowie zur statistischen Auswertung. Hervorzuheben ist die abschließende Auflistung weiterer Fälle, bei denen es den Anfangsverdacht oder Hinweise auf ein mögliches rechtes Tatmotiv gibt, sowie die explizite Erwähnung der zahlreichen Fälle tödlicher Gewalt durch Polizei und Behörden.
Das Buch ist ein wichtiger Beitrag in der Auseinandersetzung mit rechter Gewalt. Es wird seinem Anspruch voll gerecht, zur Erinnerung an die allzu oft vergessenen Todesopfer beizutragen.

Thomas Billstein:
Kein Vergessen. Todesopfer rechter Gewalt in Deutschland nach 1945
Unrast Verlag, Münster 2020
344 Seiten, 19,80 Euro

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