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Verbaute Ideologie?

Eine Einleitung in den Schwerpunkt

Wie Städte strukturiert und gestaltet sind, hat erheblichen Einfluss auf die dort lebenden Menschen. Was, wo und wie gebaut wird, wer welche Räume zu welchen Zwecken nutzen darf, sind politische Fragen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass um diese Fragen gesellschaftlich gerungen wird und die Stadt und deren Gestaltung umkämpftes Terrain darstellen.

In den letzten Jahren bestimmten vor allem zwei Themen die Auseinandersetzung: Die sich in steigenden Mieten, Gentrifizierung und Wohnraumknappheit ausdrückende Wohnungsnot sowie die mit dem Problem des Klimawandels verbundenen Fragen des Verkehrs und der Gestaltung des öffentlichen Raums.

Auch für die Rechte sind diese Themen von Belang — und zwar nicht nur, weil sich eine an Wahlen orientierte Partei wie die AfD zu gesellschaftlich relevanten Konfliktfeldern positionieren muss. Die extreme Rechte hat auch eigene ideologische Zugänge zu Stadt und Architektur. In den vergangenen Monaten nahmen sich mehrere rechte Zeitschriften des Themas an. So titelte etwa das NPD-Organ Deutsche Stimme auf dem Cover „Volk ohne Wohn-Raum“, wobei das Wort „Wohn-“ grafisch zurückgesetzt war. Ins Auge fällt das in dicken Lettern der Schriftart „Tannenberg“ gedruckte „Volk ohne Raum“, das so den gleichnamigen Titel des berüchtigten Werkes des völkisch-nationalistischen Autors Hans Grimm reproduziert. Die NPD ist sich sicher, dass bezahlbarer Wohnraum die soziale Frage der Zukunft ist. Uneinigkeit besteht aber darin, was zu tun ist, ob ein „Mietendeckel“ sinnvoll oder ein „sozialistischer Irrweg“ ist. Klar ist aber, dass sie auf diese wie jede andere soziale Frage auch nur rassistische Antworten findet.

Dass es zuallererst um „die Deutschen“ gehen muss, ist auch Konsens bei der AfD, die sich zunehmend mit Fragen des Bauens und Wohnens befasst. So veröffentlichte im Frühjahr die Junge Alternative NRW eine Ausgabe ihres „Meinungsmagazins“ Distel mit dem Schwerpunkt „Heimat. Leben. Orte.“ Auch darin wird Bezug genommen auf Konzepte einer antidemokratisch gestalteten Stadt, wie sie von Rechten schon Anfang des 19. Jahrhunderts formuliert wurden, etwa wenn Arthur Moeller van den Brucks Buch „Der preußische Stil“ vorgestellt oder den Leser*innen die Lektüre des ideologiegesättigten Architekturbuchs „’Kulturbolschewismus‘ oder ‚Ewige Ordnung‘“ aus dem extrem rechten Ares Verlag empfohlen wird.

Schon das Distel-Cover ist mit seiner Gegenüberstellung von modernen Bauten und Fachwerkhäusern programmatisch. Es verweist darauf, dass die extrem rechte Sicht auf die Stadt nicht allein als Großstadtfeindschaft zu begreifen ist, sondern dass es durchaus einen rechten Urbanismus gibt, der vor allem die Architektur von Städten als Medium von Geschichtspolitik und nationaler Sinnstiftung begreift. In der Gestaltung, Aufladung und auch in der Entstehung von Gebäuden kann ebenso wie in der Stadtplanung Ideologie zum Ausdruck kommen. Wie Prozesse der ideologischen Aufladung und deren Ergebnisse aussehen, wird an der Rekonstruktionsarchitektur deutlich. Stilistisch ist Architektur von rechts aber nicht auf Fachwerkhäuser festgelegt, sondern kann auch höchst modern erscheinen.

Die historischen wie aktuellen Vorstellungen, die sich die Rechten von der Stadt machen, analysiert Johann Braun in seinem den Schwerpunkt eröffnenden Artikel.  

Wie Rekonstruktionsarchitektur von Rechten als Medium genutzt wird, um ihre  Ideologie in bürgerliche Kreise zu transportieren, stellt Sebastian Hell am Beispiel  der „Neuen Frankfurter Altstadt“ dar. 

Im Anschluss befasst sich Peter Bescherer mit den Positionen der AfD in Bezug auf Stadtpolitik und Bauen.

Als Kritiker von Rekonstruktionsprojekten ist Stephan Trüby bekannt, mit dem Jan  Raabe und Torben Heine über die Frage sprechen, ob und wie Architektur „rechte Räume“ schafft und welche städtebauliche Agenda die äußerste Rechte vertritt.

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