Von

Vogelschiss

Die Graphic Novel erzählt die Geschichte der alleinerziehenden Mutter Eleni, die sich gemeinsam mit ihrem Alt-68er Freund Rudi entschließt, den Wahlkampf der AfD aufzumischen. Dafür greifen sie auf klassische Taktiken einer Kommunikationsguerilla zurück. Sie überkleben Wahlplakate, ändern Wahlbotschaften ab und verstreuen Vogelfutter auf die Bundesgeschäftsstelle der AfD, damit diese von Vögeln zugekotet wird. Zwischendurch werden sie dafür zur Zielscheibe neonazistischer Gewalt aus dem Umfeld der AfD.

Zum Schluss mobilisieren sie genug Menschen für eine Demonstration, um Björn Höcke bei einem Wahlkampfauftritt von der Bühne zu vertreiben.
Das Freiburger Autor:innenkollektiv wollte so einen Beitrag zur Bundestagswahl 2021 leisten. Angesprochen werden sollten Menschen, die sich noch nicht viel mit Politik und AfD beschäftigt haben, um klar zu vermitteln, dass es sich dabei um eine faschistische Partei handelt. Überzeugend sind die künstlerische Darstellung und hochwertige Verarbeitung. Ebenso ist die Einarbeitung hasserfüllter Zitate aus den AfD-Reihen und rassistischer Anschläge, beispielsweise in Hanau, in die Erzählung gelungen. Überzeugend ist ebenso die Darstellung, wie einfach man selbst gegen die AfD aktiv werden kann. Der Erzählung fehlt aber die Perspektive von Menschen, die direkt von Rassismus betroffen sind. Zwar werden Elenis russlanddeutsche Wurzeln erwähnt, jedoch findet dieser Hintergrund kaum Beachtung. Dies wäre insbesondere wegen der besonderen Umgarnung von Russlanddeutschen durch die AfD ein spannender Aspekt gewesen. Die Verhandlung des Themas in Gesprächen zwischen Eleni und ihrem Vater bleibt oberflächlich. Schade ist auch, dass Eleni nur von Männern umgeben ist und sie sich nur im Verhältnis zu ihnen politisiert. In der Handlung kommen keine weiteren Frauen vor. Die Grundidee ist stimmig, hätte aber besser umgesetzt werden können.

Guano Project (Hrsg.):
Vogelschiss — Die Graphic Novel
gegen Rechts
Jos Fritz Verlag, Freiburg 2021
128 Seiten, 24 Euro

Meta