Deutschlands radikale Rechte 1945 bis 2025
„Es ist keine Ruhmesgeschichte, die in eine nationale Meistererzählung einer Demokratie passen will – besonders in Deutschland mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit“, schreibt Langebach über die Geschichte der antidemokratischen Kräfte und Organisationen, die hier unter dem Begriff der „radikalen Rechten“ subsumiert werden. Die Intention des Bandes liegt darin, Zusammenhänge, Traditionen und Entwicklungen dieser Rechten sichtbar zu machen, was durchgängig gelingt.
Nach der Einleitung durch Martin Langebach beschreibt Annette Wienke die Situation zum Kriegsende in Deutschland. Dominik Rigoll widmet sich der Entwicklung der radikalen Rechten als „Neuanfang und Niederlage“ von 1945 bis 1953 in der frühen BRD, Gideon Botsch und Barbara Manthe setzen diesen Blick für die Jahre 1953 bis 1964 unter der Überschrift „Zwischen Integration und Ausgrenzung“ fort. Enrico Heitzer behandelt die Situation in der SBZ und der DDR zwischen 1945 und 1980, die sich in „Bekämpfung“ und „stiller Integration“ ausdrückt. Die dynamische Entwicklung der NPD in den Jahren 1964 bis 1971 analysiert Frank Bösch. Fabian Virchow und Sabine Reimann knüpfen mit den Jahren 1971 bis 1990 unter den Stichworten „Zersplitterung, Radikalisierung und parlamentarische Reetablierung“ an. „Die radikale Rechte in der späten DDR“ der 1980er bis 1990er Jahren sind das Thema von David Begrich und Paul Räuber. Anke Hoffstadt und Michael Sturm behandeln die „Jahre der (Selbst)Wirksamkeit“ von 1990 bis 2013. Zeitlich schließt der Band mit dem Beitrag „Transformation und Etablierung“ von Volker Weiß über die Jahre 2013 bis 2025. Es folgt der Beitrag „Zählen und Gedenken“ von Franka Maubach und Janosch Steuwer, die die bittere, aber verdienstvolle Aufgabe übernommen haben, Namen und Geschichten von Todesopfern rechter Gewalt seit 1945 zu nennen bzw. zu erzählen. Sie arbeiten die Dimension der Tötungsdelikte heraus und thematisieren den Umgang mit den Mordtaten. Martina Stebner wirft in ihrem abschließenden Beitrag einen kritischen Blick aus der Metaperspektive auf die Geschichtsschreibung der DDR und West-Deutschlands nach 1945 und des vereinigten Deutschlands nach 1989. Sie stellt heraus, dass dies eben keine Erfolgsgeschichte sei und man sich in Deutschland schwer getan hätte, mit dem Erbe und den Kontinuitäten des NS und den Neonazis umzugehen. Speziell nimmt sie die Forschung und insbesondere die zeithistorische Forschung in den Blick, bilanziert diese und ordnet die radikale Rechte historisch ein.
Sehr bemerkenswert an dem Sammelband ist die durchgehende und sehr innovative Bebilderung. Hier wurde tief gegraben, um die extreme Rechte nicht nur im Text darzustellen, sondern auch konkret sichtbar zu machen. Zu sehen sind historische Bilder von Akteur*innen der radikalen Rechten, ihren Taten und Aktionen, von Betroffenen und Opfern, aber auch solche von Menschen, die sich dieser Entwicklung entgegenstellten.
Das Buch kann zum Preis von 7,50 Euro ausschließlich über die Bundeszentrale für politische Bildung bestellt werden. In Inhalt und Form ist der Band bisher sicherlich einmalig und sticht durch seine Qualität deutlich aus der Vielzahl der Neuerscheinungen heraus. Ein Kauf ist unbedingt zu empfehlen.
Martin Langebach (Hg.): Deutschlands Radikale Rechte 1945 bis 2025. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2026 439 Seiten, 7,50 Euro