
In Gedenken an Alexander Häusler
Ein Nachruf
Alex gehörte etwa zwei Jahrzehnte der LOTTA-Redaktion an und steuerte ungezählt viele Artikel bei, in frühen Ausgaben noch als Gastautor, z. B. in der Ausgabe #9 (Sommer 2003) ausführlich zu „Themen der Rechten – Themen der Mitte“. Sein damaliges Fazit: „Wer die extreme Rechte wirkungsvoll bekämpfen will, muss wohl zugleich die ‚Anständigen‘ mit ins Visier nehmen.“
Alex setzte sich unermüdlich und engagiert für ein anderes Morgen ein und hatte eine klare antifaschistische Haltung. Dabei blieb er immer herzlich, humorvoll und hilfsbereit. Auch in Zeiten, in denen er beruflich oder privat besonders stark beansprucht war, stand er uns immer mit Rat und Tat zur Seite. Wenn es auch zuweilen vorkam, dass er verspätet in Bauarbeiterklamotten zur Redaktionssitzung erschien und diese vor deren Ende wieder verließ, um weiter an seinem Hausprojekt zu basteln. Dafür brachte er getreu seinem gelebten Feinschmecker-Motto „Ohne Mampf, kein Kampf“ Käsekuchen mit.
Alex sprudelte zuweilen über vor Ideen, Autoren*innenrichtlinien oder praktische Umsetzbarkeiten interessierten ihn hierbei nicht immer bzw. akzeptierte er nur widerwillig. „Ach, 11.000 Zeichen inklusive Leerzeichen? Das wusste ich nicht. Kann man nicht eine kleinere Schrift nehmen oder eine Seite mehr drucken?“ Solche oder ähnliche Äußerungen waren nicht selten von ihm zu hören. Regelwerke konnte er problemlos ignorieren – oder einfach weglachen, wenn er darauf angesprochen wurde. Es gab schließlich Wichtigeres zu tun, zu schreiben, zu diskutieren, zu verändern. Besonders gerne und mit einem Schmunzeln erinnern wir uns an Alex‘ sehr fantasievollen und in der Regel nicht umsetzbaren Vorschläge zur Covergestaltung. Nichtsdestotrotz sparte er nicht mit Lob, wenn ihm Artikel anderer oder das Layout gefielen.
Alex war einer der ersten, die in NRW die Themen Rechtspopulismus, antimuslimischer Rassismus und ab 2013 auch AfD verstärkt in Angriff nahmen und sich für eine intensivere Auseinandersetzung mit den daraus resultierenden Gefahren stark machten. Nicht nur als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Forschungsschwerpunkt Rechtsextremismus/Neonazismus der Hochschule Düsseldorf, sondern auch in antifaschistischen Zusammenhängen und Magazinen, wie die LOTTA, DER RECHTE RAND und AIB.
Alex' Kraft, weiterzumachen, auch wenn es politisch und persönlich eng wurde, war beeindruckend und inspirierend. Trotz seiner schweren Krankheit, die sich immer stärker und einschränkender zuspitzte, blieb er aktiv und erhielt sich durch das Schreiben von Artikeln bis zuletzt ein Stück Autonomie. Für LOTTA #98 verfasste er einen Beitrag zur Normalisierung extrem rechter Positionen und zum „Verschwinden der Brandmauer“ (Resümee: „Deutschland ist wieder auf dem Weg nach rechtsaußen“) und in LOTTA #100 einen „Überblick über autoritäre Systeme und Diktaturen in Europa“. Noch im April nahm Alex an einer Redaktionssitzung teil. Ideen für Artikel, die er noch schreiben wollte, hatte er reichlich, sie sprudelten nur so aus ihm heraus. Aktuell besteht die Liste der noch ungeschriebenen aus über einem Dutzend Themen.
Alex, du hinterlässt eine große Lücke und wirst uns sehr fehlen. Rest in Power! Möge die Erde dir leicht sein, compañero.
Deine LOTTA-Crew